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Büro nach Bedarf

Rheinische Post, März 2008
Büro nach Bedarf

Das Unternehmen Kölner Zeiträume bietet Selbstständigen und Jungunternehmern Büros auf Zeit an und setzt insbesondere auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Von Julia Lörcks

Katharina Grünewald (37) aus Köln hat lange gesucht, bevor sie die passenden Räume für ihre Beratung für Patchwork-Familien gefunden hat. Ein eigenes Büro war der selbstständigen Psychologin zu teuer, eine Zusammenarbeit mit anderen Kollegen zu riskant. Entschieden hat sich Katharina Grünewald für die Kölner Zeiträume.

Beruf und Kinder

Im Herbst vergangenen Jahres hat Jacqueline Boyce aus einer ehemaligen Werkstatt und Lagerhalle die Kölner Zeiträume im Stadtteil Braunsfeld geschaffen. Auf 800 Quadratmetern und über zwei Etagen vermietet sie stunden-, tage- oder wochenweise offene, geschlossene und Gruppenbüros, Seminar-, Konferenz- und Tagungsräume sowie Kurs-, Kraft und Massageräume. Eine ungewöhnliche Geschäftsidee, die sich an Gewerbetreibende, Selbstständige und Jungunternehmer richtet, sich aber vor allem als alternatives Arbeits- und Familienzentrum versteht. Eine hauseigene Kindertagesstätte mit 20 Betreuungsplätzen für Kinder im Alter von ein bis vier Jahre, geöffnet von 7.30 bis 18 Uhr, ist integriert.

„Wenn man versucht, sein Leben mit Kindern zu organisieren, stößt man schnell an Grenzen. An logistische grenzen“, sagt Boyce. Und sie muss es wissen: Sie war jahrelang Moderatorin fürs ZDF und für RTL und ist Mutter von zwei Söhnen. Mit ihrem bunten Bürogebäude in der tristen Siedlung hat sie eine Lösung für diese Probleme geschaffen – ein Ort, an dem Eltern Berufstätigkeit und Kinder unter einen Hut bekommen.

Die Öffnungszeiten der Kölner Zeiträume sind flexibel, die Büros sind farbenfroh gestaltet und voll ausgestattet. „Es sollen schöne Räume sein, sie inspirieren und den Dialog mit anderen Unternehmern leisten“, sagt Boyce.

Die Preise für die Anmietung richten sich dabei nach Aufenthaltsdauer und Arbeitsplatz. Eine Stunde lang arbeiten im Open Office kostet sechs Euro, für eine Woche tagen und werkeln im Gruppenbüro muss man 400 Euro berappen. Bei längerfristiger Vermietung gibt`s individuelle Absprachen, wobei das Konzept des Kantors nicht auf eine Dauervermietung angelegt ist.

Die Vorteile für die Kunden der Kölner Zeiträume, die größtenteils gerade erst den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, lassen sich an einer Hand abzählen: keine feste Mietbindung, keine Personalkosten, keine Makler- und Investitionskosten sowie keine Neben-, Reparatur- und Wartungskosten. Dafür bietet Boyce eine flexible Anmietung von Büroräumen und eine ständige Erreichbarkeit der Firma.

„Meine Zielgruppe ist der komplette Beratungsmarkt. Dienstleister, die ein-, zweimal oder öfters in der Woche ein Büro brauchen“, sagt Boyce. Aber auch Krankengymnasten oder Physiotherapeuten können einen Behandlungsraum mieten – je nach Bedarf.

Diese freie Zeiteinteilung hat auch Katharina Grünewald gut gefallen. „Das passt optimal mit meinem Patchworkfamilien-Modell“, sagt sie. Grünewald ist einen Tag der Woche in den Kölner Zeiträumen. Wenn Beratungsgespräche anstehen, können es auch mehrere sein. Sie nutzt dort ein Einzel- oder Coachingbüro, bei Familiensitzungen würde sich auch der Kursraum anbieten. Nachteile sieht sie eigentlich nicht. Lediglich Sorge hatte sie, wie ihre Kunden sie Kölner Zeiträume annehmen würden. „Aber wenn man selbstbewusst damit umgeht, dass man Anfängerin ist, gibt es keinerlei Probleme“, sagt sie. Im Gegenteil: Die Kunden seien positiv überrascht von ihrer Lösung gewesen. Schade findet sie, dass man die Büros nicht personalisieren kann. „Aber meine Bilder kann ich ja in den Rollcontainern verschließen oder einfach wieder mit nach Hause nehmen“, sagt Grünewald.

Kundenstamm wächst

Der Kundenstamm der Kölner Zeiträume zählt mittlerweile 40 bis 50 Personen. „Mal ist es rappelvoll, mal ist niemand hier“, sagt Boyce, die nicht mehr zurück ins Fernsehen möchte. Ja, die Kunden kommen und gehen. Sie mieten sich ihre Büros wie es ihnen passt. „Tschüss, bis zum nächsten Mal“, sagt ein Mann, der das Gebäude an der Scheidtweilerstraße verlässt. „Vielleicht.“